Achter Vortrag

GA 275/1915-01-04/p051 ·1915-01-04 · original (original)
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Wirklich, nicht umsonst wird gearbeitet von Zyklus zu Zyklus, um immer mehr und mehr Ideen und Begriffe zusammenzutragen. Diese Ideen und Begriffe zu studieren ist nicht unnötig, sondern es ist der Weg, um gerade in sich jene Seelenimpulse vorzubereiten, die zum wirklichen geisteswissenschaftlichen Hellsehen führen. Man kann manchmal dadurch, daß man etwas nippt da oder dort an dem, was innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Strömung gegeben wird, dem oder jenem in der menschlichen Natur einen Riß geben, und dann entsteht etwas vom pythischen und prophetischen Hellsehen, und man kann schon stolz und hochmütig in diesem pythischen oder prophetischen Hellsehen werden. Wenn das der Fall ist, dann kommen solche Urteile zustande, die man oftmals hören muß, wo der eine oder andere sagt: Ich brauche nicht alles in den Einzelheiten zu studieren, ich brauche nicht das, was in den Zyklen gesagt wird. Was ich höre von den Dingen, weiß ich schon ganz genau, ich habe das schon gewußt und so weiter. — Das Prinzip, zu leben in ein paar Imaginationen, die man Blut- und Nervenimaginationen nennen könnte, durchdringt noch viele. Viele dünken sich etwas ganz Besonderes zu haben, wenn sie so ein paar Blut- und Nervenimaginationen haben. Aber das ist nicht das, was uns zum selbstlosen Mitarbeiten an der Menschheitsevolution führen kann, sondern ein solches Verweilen in den Blut- und Nervenimaginationen führt eigentlich zu einer Erhöhung des Selbstgenusses, führt zu einem raffinierteren Egoismus. Und dann kann es allerdings vorkommen, daß gerade durch die Pflege der Geisteswissenschaft ein raffinierterer Egoismus herangezüchtet wird, als er je in der äußeren Welt vorhanden ist.

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Cite: GA 275/1915-01-04/p051 · edition original