Achter Vortrag
Selbstverständlich redet man niemals von den Anwesenden in diesen Dingen, niemals von der Anthroposophischen Gesellschaft, die ja anwesend ist. Aber erwähnt darf doch werden, daß es Gesellschaften gibt, in denen sich diese oder jene Leute befinden, welche es nach den Prinzipien dieser Gesellschaften dazu bringen, zwar nicht wirklich selbstlos mitzuarbeiten, sondern einiges aufzunehmen, am liebsten so etwas aufzunehmen, was gerade da oder dort anfacht die Blut- oder Nervenimaginationen, und dann glauben, sich selbst ersparen zu können das andere. Dann kommen sie zu einem solchen atavistischen Hellsehen, oder vielleicht kommen sie nicht einmal dazu, sondern nur zu den Gefühlen, die als Begleiterscheinung eines solchen imaginativen Hellsehens zu betrachten sind. Und diese Gefühle sind nicht eine Überwindung des Egoismus, sondern nur eine höhere Blüte des Egoismus. Bei solchen Gesellschaften findet man dann - die Anthroposophische Gesellschaft ist aus Höflichkeit ausgenommen -, obgleich sie die Pflicht hätten, Liebe und Eintracht und Harmonie bis in die tiefsten Seelengründe hinein von Mitglied zu Mitglied zu entfalten, man findet immer mehr wachsen Disharmonie, Zanksucht, gegenseitiges Sich-Beklatschen und so weiter. Ich darf diesen Ausdruck gebrauchen, da ich ja, wie gesagt, die Angehörigen der Anthroposophischen Gesellschaft immer ausnehme.
Cite:
GA 275/1915-01-04/p052 · edition original