{"corpus":"steiner","locus":"GA 277a/1912-09-18/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nachdem Rudolf Steiner die herrliche Darlegung über den Energie- und Friedenstanz abgeschlossen hatte, fragte er plötzlich fast ein bisschen misstrauisch, ob ich wüsste, wie dieser Rhythmus - kurz kurz. lang - genannt würde; auch erkundigte er sich nach meinen Vorarbeiten. Glücklicherweise entstand aus dieser Frage für mich die Möglichkeit, ihm zu erzählen, dass ich bei meinem Suchen, Literatur über den griechischen Tanz zu finden, auf das Buch eines deutschen Philologen - Christian Kirchhoff, Dramatische Orchestik der Hellenen - gestoßen sci. Derselbe sei zu dem Schluss gekommen, die Griechen hätten gar nicht nötig gehabt, eine Tanzlehre aufzuschreiben, weil sie all ihre Bewegungen am Text abgelesen hätten. Er zeigt es gründlich und ausführlich, aber nur für die Bewegungen der Füße; er spricht von den verschiedenen metrischen Rhythmen, vor allen Dingen von steigenden und fallenden Metren, von vorgesetzten Kürzen bei den steigenden und nachgezogenen bei den fallenden Rhythmen, zeigt auch, dass jeder Gott in seinem Rhythmus gerufen wurde und so weiter. «Das ist alles ganz gut, und Sie können es absolut übernehmen», sagte Dr. Steiner. Es handelt sich bei den griechischen Metren ja um Längen und Kürzen, in der deutschen Sprache mehr um betont und unbetont oder Hochton und Tiefton. Trotzdem sollten wir dieses Lang-Kurz in den Füßen beibehalten, aber die Schritte mit Armbewegungen begleiten. «Das Wesentliche bei einem steigenden Rhythmus - und der Jambus ist der steigende Rhythmus par excellence - ist wirklich, dass der Jambus zurückzuführen ist auf den Speerwurf. Das bedeutet, dass er auf dem kürzesten Weg das - vor ihm in der Außenwelt klar und deutlich umrissen sich zeigende - Ziel erreicht. Wie einen Sprung in das Leben hinaus kann man den Jambus empfinden. Und der fallende Rhythmus, der Trochäus? Den nannten sie wirklich auch den Merkurschritt. Er, der Götterbote kommt zu den Menschen aus dem Himmel herunter auf die Erde, aber hinter ihm steht die Fülle der göttlichen Weisheit und Gnade. Und aus dieser Fülle bringt er ihnen Freuden und Schmerzen, Aufgaben und Enttäuschungen, wie die Götter es ihnen zugemessen haben. Und von dieser Fülle getrieben, stürzt er mit solcher Vehemenz vom Himmel zur Erde, dass er «abbremsen» muss. Und so entsteht diese machtvolle Länge und die den allzu großen Schwung auffangende Kürze. Oft haben die Griechen den Merkur sogar hinkend dargestellt. Demonstrieren Sie beides später Ihren Schülern. Nehmen Sie für den Jambus einen Stab, zeigen Sie, wie er zielbewusst vorwärts dringt, und zeigen Sie, indem Sie vielleicht von einem Stuhl in den Raum hineinspringen, dass Sie diese ab- und ausklingende Kürze brauchen. Empfinden Sie selbst und versuchen Sie Ihre Schüler empfinden zu lehren, wie man durch den Jambus hell und mutig heraus in die Außenwelt geführt wird, dass aber der Trochäus durch einen aus der geistigen Welt heraus hinter dem Menschen wirkenden schicksalhaften Impuls ihn vorwärts treibt.»","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Tag","site_heading":null,"date":"1912-09-18","location":null,"word_count":460,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/277a/1912-09-18/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/277a/1912-09-18/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/277a/1912-09-18/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"unit","note":"This text is a newspaper's or a listener's report of the lecture, not a transcript. The wording is the reporter's: do not quote it as Steiner's own words.","evidence":"The text is based on Lory Maier-Smits' notes for GA 277a '1965', supplemented in part by descriptions from her essays (the note to the Dionysian course, GA 277a of 16 September 1912)","evidence_translation":null,"evidence_source":"The unit's own header line in the edition served."}}