Die Welt als Ergebnis von Gleichgewichtswirkungen. Vierter Vortrag
Betrachten Sie einmal ganz unbefangen die Evolution. Wieviel hat im Verlaufe des fünften nachatlantischen Kulturzeitalters aufgehört, in warmer unmittelbarer Weise an den Menschen heranzutreten. Nehmen Sie die unzähligen Fragen, die wirklich an uns herantreten, wenn wir uns in die Geisteswissenschaft vertiefen. Sie sind alle für den modernen materialistisch gesinnten Menschen nicht da. Das Rätsel der Sphinx empfindet er nicht; das hat der Grieche noch in lebendiger Weise empfunden. Der moderne Mensch wird aber ein anderes empfinden müssen. Er weiß eigentlich alles so gut nach seiner Meinung, beobachtet die Sinneswelt, kombiniert sie mit seinem Verstande, und dann lösen sich ihm alle Rätsel. Er ahnt nicht, wie sehr er in der äußeren Phantasmagorie herumtappt. Das aber verdichtet immer mehr seinen Ätherleib, trocknet immer mehr seinen Ätherleib aus und führt endlich dazu, daß das mephistophelische Element wie eine zweite Natur sich heften wird an das Wesen des Menschen der Gegenwart in die Zukunft hinein. Alles das, was an materialistischen Vorurteilen, an materialistischer Beschränktheit sich entwickelt, wird die mephistophelische Natur verstärken, und wir können jetzt schon sagen: Wir sehen in eine Zukunft hinein, wo jeder geboren wird mit einem zweiten Menschen, welcher sagen wird, die da von der geistigen Welt reden, sind Narren. Ich weiß alles, ich verlasse mich auf meine Sinne. - Gewiß, der Mensch wird abweisen, so wie das Sphinxrätsel, auch das Mephistopheles-Rätsel, aber er wird heften an seine Fersen ein zweites Wesen. Das wird ihn so begleiten, daß er den Zwang empfinden wird, matertalistisch zu denken nicht durch sich, sondern durch ein zweites Wesen, das sein Begleiter ist.
Cite:
GA 277a/1914-11-20/p024 · edition original