19. Ansprache zur Eurythmie
Besonders reizvoll ist cs, dasjenige, was im Menschen selbst veranlagt ist, zum Kunstwerke zu erheben. Diese innerliche Veranlagung des Menschen, als Kunstwerk gedacht, den sich bewegenden Menschen naturgemäß, gesetzmäßig als Kunstwerk gedacht: Das ist Eurythmie, dieselbe Eurythmie, welche durchvibriert unsichtbar in unserer Lautfolge, indem wir sprechen, namentlich, indem wir Dichterisch-Künstlerisches nachsprechen. Dennoch darf ich Sie bitten, dasjenige, was wir Ihnen heute vorführen werden, mit Nachsicht zu beurteilen. Wir sind selbst die strengsten Kritiker desjenigen, was wir jetzt schon mit dieser eurythmischen Kunst können. Denn wir wissen, dass noch alles im Werden, alles noch unvollkommen ist. Aber dasjenige, was in unserer Absicht liegt, wir hoffen, dass wir es noch selber, oder wenn wir nicht selber, so andere es zur Vollendung bringen werden. Und dass dann, wenn dasjenige, was heute nur beabsichtigt ist, in voller Weise als eurythmische Kunst zum Ausdrucke kommt - dann wird sich diese eurythmische Kunst neben anderen, neben die anderen Künste als vollbedeutende Kunst hinstellen können. Nicht konkurrieren aber möchten wir mit nachbarlichen Künsten wie zum Beispiel den heute so beliebten Tanzkünsten. Eurythmie soll etwas ganz anderes sein. Sie soll dasjenige zum Ausdruck bringen, was der Mensch in sich selber als Bewegungsanlage hat: Beseelte Bewegung.
Cite:
GA 277b/1919-08-16/p021 · edition original