Ansprache zur Eurythmie

GA 277b/1920-01-17/p009 ·1920-01-17 · original (original)
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Auf der anderen Seite kann man ja beobachten, wie gewisse Vogelarten ihre Tonwandelungen, ihre Gesangsgestaltung in begleitenden Bewegungen zum Ausdruck bringen. Wenn man solche Dinge sachgemäß studiert, dann kommt man dazu, übertragen zu können dasjenige, was sonst unsichtbar bleibt in den Bewegungen des Kehlkopfs und seiner Nachbarorgane, auf sichtbare Bewegungen des ganzen menschlichen Organismus, sodass man in der Tat dadurch eine Art stummer Sprache hervorrufen kann. Nur ist das Ausdrucksorgan für diese stumme Sprache der ganze Mensch. Und so, wie sie dann den bewegten Menschen vor sich sehen bei menschlichen Bewegungen, die ausgeführt werden durch die Glieder des Menschen selbst, Bewegungen, die ausgeführt werden vom Menschen im Raum, Bewegungen, die dadurch zustande kommen, dass die Menschen in einer Gruppe gegenseitig in gewissen Raumverhältnissen sich bewegen und dergleichen - all das ist so wenig etwas Willkürliches, was Sie hier sehen werden, wie die Melodien-Aufeinanderfolge der Musik oder der Harmonienzusammenklang in der Musik etwas Willkürliches ist. Es ist durchaus eine im Raum durch Bewegung vor sich gehende Musik. Und wenn zwei Menschen oder zwei Menschengruppen an verschiedenen Orten ein und dieselbe Sache eurythmisch darstellen würden, so würde nicht mehr Individuelles sein können in dieser verschiedenen Darstellung, als Individuelles ist bei zwei Klavierspielern, die ein und dieselbe Sonate nach ihrer Auffassung spielen. Also jede Beliebigkeit im Gebärdenspiel und so weiter ist durchaus hier ausgeschlossen. Was Sie davon noch sehen werden, ist lediglich auf die Unvollkommenheit, welche noch anhaftet dieser unserer eurythmischen Kunst, zurückzuführen.

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