Ansprache zur Eurythmie

GA 277b/1920-02-07/p016 ·1920-02-07 · original (original)
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Alles dasjenige selbstverständlich, was Sie hier sehen werden, ist nichts weiter als ein Anfang, denn die eurythmische Kunst ist eben durchaus erst ein Versuch. Aber wir haben die Überzeugung, dass, wenn unsere Zeitgenossen diesem Anfang ein gewisses Interesse entgegenbringen, er einer immer größeren Vervollkommnung fähig sei. Denn in der Tat: Das menschliche Willkürliche, das durch unsere Sprache hindurchwirkt, das hört auf in der Eurythmie, und es kann sein, indem man sich des Menschen selbst, der in seinem ganzen Organismus veranlagten Bewegungen, als eines Instrumentes bedient, es kann sein, [dass man] dadurch die Goethe’sche Kunstgesinnung so [erfüllt], wie es Goethe in den schönen Worten aussprach, als er den großen Winckelmann charakterisieren wollte: «Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen, schönen, würdigen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines, freies Entzücken gewährt - dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt, aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern.» Solche Kunstgesinnung kann am besten erfüllt werden, wenn man sich nicht des Abstrakten, sondern des Menschen selbst, der ein Mikrokosmos ist, als eines Ausdrucksmittels, als eines Werkzeuges für das Künstlerische bedient. Aber das alles ist, wie gesagt, im Anfange nur. Wenn die Zeitgenossen und die Nachwelt dem Interesse entgegenbringen, dann wird sich unsere Überzeugung erfüllen, dass unsere Eurythmie immer vollkommener und vollkommener werden kann. Jetzt muss ich Sie noch um Nachsicht bitten auf diesem Gebiete, denn es ist wirklich nur ein Anfang, vielleicht nur ein Versuch eines Anfanges. Aber dieser Anfang wird- entweder durch uns selbst noch oder wahrscheinlich durch andere, das letztere wohl mehr einmal doch so ausgebildet werden können, dass sich die Eurythmie als eine vollberechtigte Kunstform neben die anderen vollberechtigten, aber älteren Kunstformen wird hinstellen können.

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