Ansprache zur Eurythmie
Man kann nun sagen, dass man gerade dadurch, dass solches angestrebt wird, ein stärkeres Künstlerisches erreiche als durch die Lautsprache, wenn diese Lautsprache zum Ausdrucke der Dichtung wird. Die Dichtung leidet ja ihrem künstlerischen Elemente nach in unseren zivilisierten Sprachen schon darunter, dass zum großen Teil in unsere Sprachen einfließt ein konventionelles Element, dasjenige, was nur dient zur sozialen Verständigung von Mensch zu Mensch. Das alles muss natürlich vom Dichter verwendet werden, aber es ist schon ein unkünstlerisches Element der Sprachbildung, und es wird insbesondere unkünstlerisch in dem Maße, als sich das Gedankenelement, das Ideenelement dadurch in das Sprachliche hineinmischt. Im Sprachlichen fließen zusammen das gedankliche Element und das Willenselement, die beide aus der menschlichen Seele hervor sich offenbaren. Aber nun kann man ja sagen: Etwas ist umso mehr künstlerisch, je mehr das Gedankenelement zurücktritt. Je mehr wir in der Lage sind, uns in einen Gegenstand oder Vorgang so hineinzuversetzen, dass wir das tun mit Ausschluss des Ideellen, mit Ausschluss des Abstrakten, mit Ausschluss des Gedankenelementes, umso mehr ist der Eindruck ein künstlerischer, was in der Eurythmie besonders dadurch erreicht wird, dass ja das Gedankenelement ganz ausgeschlossen ist und nur die sonst das Gedankenelement begleitenden Willensimpulse in die Bewegungen der Glieder übergehen.
Cite:
GA 277b/1920-02-08/p010 · edition original