Ansprache zur Eurythmie

GA 277b/1920-02-15/p019 ·1920-02-15 · original (original)
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Viele Missverständnisse werden auch sicher sein. Denn Sie werden auf der einen Seite diese Eurythmie musikalisch begleitet haben, was dann eine andere Ausdrucksform für diese stumme Sprache bedeutet, Sie werden aber auch zu sehen bekommen - oder hauptsächlich zu hören bekommen - dichterisch diejenige Rezitation und Deklamation, die so, wie sie heute beliebt wird in einer unkünstlerischen Zeit, nicht geschehen kann, weshalb unsere eurythmische Kunst von einer neuen Form der Rezitation und Deklamation begleitet werden muss. An dem Dichterischen ist eigentlich nur so viel wirkliche Kunst, als nicht berücksichtigt wird das prosaische, wortwörtliche Element, das man heute auch in der Rezitation besonders herausstellen will, sondern berücksichtigt wird das zugrunde liegende Musikalische, Rhythmische, Taktmäßige, das Melodiöse oder das Geistenthaltende, dasjenige, was unmittelbar durch das Anhören des dichterischen Wortes die Gestaltung vor unser inneres Auge hinzaubert. Und so muss auch die Rezitation so gehalten werden, dass nicht auf das Betonen des besonders wichtigen Wortes oder eines logischen Satzzusammenhanges, [dass] auf jene Äußerlichkeit, mit der man heute spricht, die eigentlich der Kunst gegenüber eine Äußerlichkeit ist, [dass] darauf nicht der Hauptwert gelegt ist, sondern darauf, dass eine Rezitation eintritt als Begleiterin der Eurythmie, die auf das eigentlich Künstlerische in der Dichtung Rücksicht nimmt. Es ist also nicht das Wortwörtliche, auf das hier der Hauptwert gelegt wird kurz, es wird auf das formhafte Element in der dichterischen Kunst das Hauptgewicht gelegt.

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