Ansprache zur Eurythmie
Aber trotzdem darf ich Sie bitten, unsere Aufführungen mit Nachsicht anzusehen. Wir sind selbst unsere strengsten Kritiker, wissen sehr gut, was wir zunächst nur zu bieten in der Lage sind. Es ist zunächst ein Anfang, und es muss gestrebt werden, weiter zu kommen. Aber Sie werden auf der anderen Seite sehen, dass dann, wenn etwas schon in Eurythmie gedacht ist, etwas, was schon mit Ausschluss des Gedankenelements gestaltet ist, [so] wie es die eine Szene ist, die ich versucht habe in meinem Mysteriendrama mit den beiden einander widerstrebenden Mächten: Wo auf der einen Seite die Kräfte vorgeführt werden, die im Menschen wirksam sind und die ihn so beeinflussen, dass er eigentlich immer mehr und mehr über seinen Kopf hinausmöchte in Mystik, Phantasie, Schwärmerei, Theosophie; wie auf der anderen Seite es ihn in Irrtum und Geflunker hineinführt, die anderen Dinge, die ihm entgegenstehen, die ihn immerfort unter sich hinunter[drückt], wo der Geist der Schwere sich bewegen möchte, wo das Nüchterne, prosaisch Nüchterne ausgedrückt wird und so weiter. Wo das alltäglich wird [?], ist der Mensch immer im Gleichgewicht drinnen, wenn so etwas, was mit dem menschlichen Seelenleben im Einklange [ist], dem menschlichen Seelenleben abgelauscht wird, aufgeführt wird, in Eurythmie umgesetzt. Selbstverständlich werden in der Zukunft auch unsere Versuche, Dramatisches darzustellen, allmählich in der Eurythmie immer mehr und mehr ausgebildet werden. Davon ist heute noch wenig vorhanden; aber auch für die eigentliche Dramatik wird versucht werden, die Eurythmie auszubauen.
Cite:
GA 277b/1920-02-21/p026 · edition original