Ansprache zur Eurythmie

GA 277b/1920-02-22/p006 ·1920-02-22 · original (original)
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Wer sich ein wenig bekannt macht mit dem, was heute bei jeder künstlerischen Bestrebung lebt - übrigens sich schon zeigte seit Jahrzehnten -, der wird sich sagen müssen: Überall ist zu bemerken die Überzeugung, dass in den alten Bahnen des Künstlerischen auf keinem Gebiete der Kunst eigentlich fortgefahren werden könne, dass überall es notwendig sei, nach neuen künstlerischen Ausdrucksmitteln zu greifen, und dass cs auch notwendig sci, die Quellen, welche das Künstlerische darstellen, in einer neuen Form zu suchen. Man hat die Überzeugung gewonnen, schon vor Jahrzehnten, dass zum Beispiel die Malerei in den alten Bahnen - selbst nicht, wenn sie Raffael’sche oder Michelangelo’sche Kunst sind - nicht fortfahren könne, Und aus welchem Grunde hat man das gefunden? Ganz gewiss ist dasjenige, was zu Raffaels, Michelangelos oder irgendeiner Epigonen-Zeit aus ihren Kunstquellen hervorgegangen ist und mit ihren Kunstmitteln ausgeführt worden ist, etwas ganz außerordentlich Großartiges, Gewaltiges gewesen. Aber wenn irgendeine künstlerische Richtung, eine künstlerische Strömung innerhalb der Menschheitsentwicklung eine Zeitlang dauert, dann werden die Ausdrucksmittel in einer gewissen Weise abgebraucht. Dann tritt insbesondere bei künstlerischen Naturen das Bedürfnis auf nach neuen Ausdrucksmitteln. Denn die Ausdrucksmittel selbst werden nach einiger Zeit durchaus in Anspruch genommen von der menschlichen Gedankenwelt, von der Ideenwelt.

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