Ansprache zur Eurythmie
In der Eurythmie ist wenigstens ein Weg zunächst - wenn auch auf eine sehr unvollkommene Weise heute noch - eröffnet. Es handelt sich da um spezielle andere Ausdrucksmittel, [um] in anderer Weise sowohl impressionistisch wie expressionistisch zu werden. Wir haben es da ja zu tun mit dem Menschen, mit dem sich bewegenden Menschen, also mit etwas, was sinnlich angeschaut werden kann von dem Betrachter, mit etwas, was im Medium des Sinnlichen dargestellt wird. Aber dasjenige, was dargestellt wird, diese Bewegungen, sie sind nicht etwas, was bloß angeschaut zu werden braucht, sondern dem in einer gewissen Weise zugeschaut werden kann, wie zugehört werden kann der Lautsprache oder dem Ton, dem Gesange, wo man etwas Seelisches darinnen vernimmt. Dasjenige, was zum Beispiel der Expressionist möchte, dass in seinen Formen und Formengebilden die Seele, die er hineingemalt hat, drinnen ist - man kann es leicht erreichen, wenn man eurythmisch darstellt. Denn es ist diese eurythmische Kunst, die ich dargestellt habe, überall ebenso wie die menschliche Sprache der Ausdruck des Seelischen, des Geistigen.
Cite:
GA 277b/1920-03-28/p012 · edition original