Ansprache zur Eurythmie
Es muss auch da zurückgegangen werden zum Beispiel in der Dichtung beim Rezitieren auf dasjenige, was in der Dichtung das eigentlich Künstlerische ist. Wir sind ja vielfach in unserer unkünstlerischen Zeit abgekommen von einem Verständnisse des Künstlerischen in der Dichtung. Dieses Künstlerische ist, was an Rhythmus darinnen ist, was plastisch darinnen ist, das Formale, während der heutige Mensch zuerst Rücksicht auf das Prosaische nimmt und dann auch einen großen Wert darauflegt, dass mit viel Gefühl der Rezitator gerade dasjenige herausbringt, was nicht rhythmusgemäß, kunstgemäß, sondern sinngemäß ist. Sodass eigentlich unsere heutige Rezitationskunst eine prosaische Sache ist und nicht eine wirklich künstlerische. So würde man dasjenige gar nicht brauchen können in der Rezitation zu der Eurythmie, zu der stummen Sprache der Eurythmie, was im äußeren Leben heute unter Rezitationskunst verstanden wird. Die Rezitation muss wieder zurückgehen zu den alten Formen des Rezitierens.
Cite:
GA 277b/1920-03-28/p015 · edition original