Ansprache zur Eurythmie
Daher ist sie etwas, was in der Aufeinanderfolge der Bewegungen etwas so notwendig Gesetzmäßiges darstellt wie das Musikalische selber in der Aufeinanderfolge des melodiösen Elementes oder in der Nebeneinanderstellung, was etwas so Gesetzmäßiges darstellt wie das harmonische Element in der Musik. Und ebenso wenig, wie, wenn ein und dieselbe Sonate zwei Klavierspieler unabhängig voneinander spielen, mehr als nur bis zu einem gewissen Grade von der subjektiven Auffassung hineinkommt, so ist es auch in der Eurythmie, wenn ein und dieselbe Sache, ein und dieselbe Dichtung von zwei Persönlichkeiten dargestellt wird oder von zwei Gruppen. So ist dasjenige, was durch Individuelles hineinkommt, nicht stärker verschieden als die individuelle Auffassung zweier Klavierspieler von ein und derselben Beethovensonate. Es ist also nichts Willkürliches in diesem eurythmisch Künstlerischen drinnen, sondern es ist alles ebenso innerlich gesetzmäßig wie bei der Musik selbst.
Cite:
GA 277b/1920-04-04/p014 · edition original