Ansprache zur Eurythmie

GA 277b/1920-04-17/p005 ·1920-04-17 · original (original)
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Nun wird man sich aber auch nicht verhehlen können, dass all das, was heute erscheint auf diesen Gebieten als ein Streben nach einer neuen künstlerischen Formensprache, dass das doch zum großen Teil noch unbefriedigt lässt, einfach aus dem Grunde, weil zum Beispiel dasjenige, was man in neuartiger Weise ausdrücken will, mit dem Pinsel und der Farbe nicht zu Wege zu kriegen ist heute. Ebenso wenig gelingt es der Plastik, durch ihre Formen dasjenige zum Ausdruck zu bringen, was gewollt wird. Wenn ich ein Wort gebrauchen sollte für dasjenige, was vielleicht mehr oder weniger unbewusst heute viele anstreben, so möchte ich das Goethe’sche Wort von dem Sinnlich-Übersinnlichen gebrauchen. Denn in der Kunst ist es ja wirklich so, dass durch die Ausdrucksmittel angestrebt werden muss, das Sinnliche zur Darstellung zu bringen. Denn dasjenige, was nicht sinnlich wahrgenommen werden kann, was nur etwa in der Idee erfasst werden kann, das kann, auch nicht dem äußeren Zeichen nach, nicht irgendwie als künstlerisch gelten. Daher ist alles Symbolische unkünstlerisch, auch alles Allegorische unkünstlerisch. Das Künstlerische muss sinnlich sich vor den Menschen hinstellen, aber es muss zu gleicher Zeit das Sinnliche als übersinnlich wirken. Man muss von dem Sinnlichen einen solchen Eindruck bekommen, wie man sonst nur von dem Übersinnlichen erhält. - Schiller hat in einer großartigen, heute noch nicht gewürdigten Weise diese Anschauung, die ja auch die des Goetheanismus ist, in seinen Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechtes zum Ausdruck gebracht.

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