Ansprache zur Eurythmie

GA 277b/1920-04-17/p008 ·1920-04-17 · original (original)
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Aber es war doch nicht so ganz töricht noch, als in der Zeit, in der man vor etwa einem Jahrhundert wirklich wiederum strebte, namentlich in Mitteleuropa darnach strebte, in der Dichtung das Künstlerische so recht zu empfinden, es war gar nicht so töricht, dass da Menschen sich zusammensetzten, schöne Dichtungen in Sprachen sich anhörten, die sie nicht beherrschten, sodass sie nur Tonfall, Rhythmus, Takt und so weiter auf sich wirken ließen, also das gestaltende, das bildliche, das musikalische Element der Sprache. Gerade das aber, was so als das eigentlich Künstlerische dem Sprachlichen zugrunde liegt, das kann man herausholen aus der Dichtung durch diese stumme Sprache, die wir hier mit der Eurythmie anstreben und die nicht etwa besteht in Willkürgebärden, die erfunden werden zu dem, was dichterisch zugrunde gelegt wird oder auch zu dem, was musikalisch zugrunde gelegt wird, sondern die beruht auf einem sorgfältigen Studium desjenigen, was im abgesonderten Organe des Kehlkopfes, im Gaumen und so weiter beim Sprechen vor sich geht. Natürlich kann man nicht die kleinen Zitterbewegungen, die sich übertragen auf die Luft und die dann die Grundlage des Ton-Hörens bilden, nicht ausdrücken auf eine andere Weise als durch die Lautsprache selbst; aber die Tendenzen, die darinnen liegen, die Bewegungstendenzen, die lassen sich nach dem Prinzip der Goethe’schen Metamorphosenlehre auf den ganzen Menschen übertragen.

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