Ansprache zur Eurythmie
Man kann den Menschen in seinen Armen oder als ganzer Körper oder auch Menschengruppen in ihren gegenseitigen Wechselverhältnissen sich so bewegen lassen, dass die Bewegungen darstellen die Bewegungstendenzen, die sonst nur im Sprachorgan zum Ausdruck kommen. $o wird auf der Bühne hier vor Ihnen der ganze Mensch zum Kehlkopf. Nichts ist dabei willkürlich. Ebenso, wie man an irgendeiner Stelle, wo man in der Sprache zu sprechen hat oh, auch oh hört, wie man da eben statt o oder /h] nichts anderes als die gesetzmäßigen Bewegungen des Kehlkopfes vollführen kann, so kann man hier, wenn etwas anderes ausgeführt wird, im Wesentlichen - natürlich kann man ja auch mit der Sprache individuell gestalten den Ton und so weiter —, aber im Wesentlichen kann man keine anderen Bewegungen ausführen als Bewegungen, die der Lautsprache selber abgelesen und auf den ganzen Menschen übertragen sind, sodass auch, wenn an zwei verschiedenen Orten dieselbe Sache eurythmisch dargestellt wird, die individuelle Verschiedenheit nicht größer sein kann, als wenn zum Beispiel zwei verschiedene Klavierspieler ein und dieselbe Sonate nach individueller Art darstellen.
Cite:
GA 277b/1920-04-17/p009 · edition original