Ansprache zur Eurythmie
Daher ist auch nicht irgendeine Willkür in einer solchen Darstellung zu suchen, sondern es ist so, dass, wenn zwei Menschen oder drei zu ganz verschiedenen Zeiten [an ganz verschiedenen] Orten ein und dasselbe eurythmisch darstellen. die unterschiedliche Auffassung nicht vermeidbar ist, [genauso wenig], als wenn zwei Klavierspieler ein und [dieselbe] Sonate an zwei verschiedenen Orten ‚oder [zu verschiedenen] Zeiten spielen. Es ist alles in der Eurythmie [wie eine Reihe] aufeinanderfolgender Bewegungen eine[r] bewegten Musik innerlich gesetzmäßig aufgebaut: So, wie das Musikalische im melodiösen Gesetzmäßigen lebt und im Harmonischen, so legt hier diese stumme Sprache dar all ihren Ausdruck, lebt in den bewegten Formen. Allerdings, wir müssen heute begleiten dasjenige, was eurythmisch dargestellt wird - wenigstens zeitweise, obwohl wir auch stumme Formen darstellen, ganz [stumme Formen], die man nur zu empfinden hat -, [wir] müssen es machen begleitet von der Rezitation und von dem musikalischen Element. Aber das sind nur andere Ausdruckskräfte ein und derselben Sache. Daher werden Sie insbesondere bei der Rezitation schen, wie wir zurückgehen müssen beim Rezitieren hier auf die guten alten Formen des Rezitierens, die einer unkünstlerischen Welt, [wie] die unsere ist, mehr oder weniger schon verloren gegangen sind. Ich möchte unter [anderem] erinnern [an] das, [was] ein Hinweis darauf ist, was in der Dichtung eigentlich das Künstlerische ist. Es ist nicht, [was] der wortwörtliche Text sagt. Goethe hat zum Beispiel selbst [seine] «Iphigenie» einstudiert mit [dem Taktstock], dieses Einstudieren gemacht wie ein [Kapellmeister] dasteht.
Cite:
GA 277b/1920-04-18/p006 · edition original