Ansprache zur Eurythmie

GA 277b/1920-04-18/p007 ·1920-04-18 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Nicht darauf, worauf man heute besonders beim Rezitieren sieht, beim /unleserliches Wort] Deklamieren, dass der Prosa-Inhalt mit der sogenannten richtigen innerlichen Betonung herauskommt, sondern dass Rhythmus, Takt, dass die formelle Anmutung, dass die, also das eigentlich Künstlerische, in der richtigen Weise herauskommt. [Die] Zeit der Romantik, die, in der sich zum Beispiel Rückert und seine Freunde sich der Dichtung hingegeben haben, diese Zeit hat bei [vielen] viel mehr künstlerische Empfindung gehabt als die heutige. Man hat sich da und [dort] zusammengesetzt und auch Gedichten zugehört in Sprachen, die man nicht verstanden hat; man hat eben, wenn das auch heute für den Menschen paradox klingt, an dem Tonfall, an der Tongestaltung, an dem Plastisch-Bildlichen und an dem Musikalischen - also an dem eigentlich Künstlerischen der Dichtung — hat man eigentlich sein Wohlgefallen gehabt. Und Schiller hatte immer eine Art allgemeiner Melodie zuerst in seiner Seele, dann erst fasste er die Worte, wenigstens bei einer großen Anzahl seiner bedeutenden Gedichte. Heute fasst man das Wortwörtlich[e], [den] Prosa-Inhalt als das Wesentlichste in der Dichtung auf. Hier müssen wir [im] Einzelnen gerade nicht das anstreben, dass [das] gedankenhafte Element durch unsere stumme Sprache der Eurythmie zum Ausdruck kommen kann; auch in der Rezitation, die begleitet, müssen wir Hörer nur rhythmisch das tätig fassen, die Gestaltung, das Bildhafte. Daher wird auch die Rezitationskunst selbst eine Reform erleben müssen, indem sie als Begleiterin des Eurythmischen auftritt.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/277b/1920-04-18/p007.json
Cite: GA 277b/1920-04-18/p007 · edition original