Ansprache zur Eurythmie

GA 277b/1920-05-01/p017 ·1920-05-01 · original (original)
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Man möchte sagen: Wenn der Mensch träumt, so ist er gewissermaßen im untermenschlichen Bewusstsein. Wenn der Mensch träumt, dann ist er selbst als ganzer Mensch ruhig. Bewegungen sind es nicht, die er ausführt. Vorstellungen sind es nur, die den Traum erfüllen, und die Bewegungen stellen wir im Traum auch nur vor. - Das eurythmische Spiel ist der Gegenpol des Träumens, ist ein stärkeres Aufwachen des Menschen. So wie im Traume die Bewegungen unterdrückt werden und nur das Vorstellungsmäßige ins Bild schießt, so ist es beim eurythmischen Spielen so, dass das Vorstellungsmäßige zurücktritt und gerade die Bewegung herauskommt. Das ist ein stärkeres Aufwachen, das ist eine Erhöhung des Bewusstseins. Das ist etwas, wonach unsere Zeit gerade hinstreben muss. Es ist wahrhaftig bei einer ernsten geisteswissenschaftlichen Bewegung nicht richtig, wenn man den Menschen einlullen will in ein mystisches Träumen. Das ist eine Abirrung. Alles Traumhaft-Mystische ist eine Abirrung von dem, was heute gewollt werden muss aus den wahren Aufgaben der Zeit heraus. Und aus den wahren Aufgaben der Zeit heraus ist gerade diese Kunstrichtung der Eurythmie auch hervorgeholt. Sie ist nicht eine Abdämpfung, nicht ein Herabdämpfen des menschlichen Bewusstseins ins Träumen, sie ist eine Heraufentwicklung des menschlichen Bewusstseins in ein starkes Wachsein. Daher wird sie eine Bedeutung für die Pädagogik haben.

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