Ansprache zur Eurythmie
Aber wir sind selbst die strengsten Kritiker, und auch heute wiederum bitte ich Sie wie immer um Nachsicht. Wir stehen erst im Anfange einer Entwicklung, wissen ganz gut, dass vieles noch zu tun ist. Diejenigen der verehrten Zuhörer, die vor Monaten da waren und sich unsere Leistungen angesehen haben, werden schon sehen können, wie wir namentlich in dem Herausbilden der Formen und dem künstlerischen Gestalten der Formen vorgerückt sind. Nach und nach wird alles Mimische verschwinden, und das Künstlerische wird in den Vordergrund treten. Nichts Symbolisches darf bleiben, wie cs vielleicht im Anfang geschah und vielleicht auch heute noch nicht ganz und gar verschwunden ist. Wir werden aber die Möglichkeit finden, Symbolisches, Allegorie ganz auszuschalten, und das schöpferische Gewahrwerden, das die bewegte Sprache der Eurythmie ist, künstlerisch zum Ausdrucke bringen. Dann wird sich zeigen, dass zwar jetzt noch diese Eurythmie im Anfange ihrer Bestrebung ist, wie die Zuhörer, die früher schon da waren, sehen werden, aber schon vorwärtsgekommen ist, und dass wir der Überzeugung sind, dass dasjenige, was heute noch unvollkommen ist, einer größeren Vervollkommnung fähig ist. Sodass Eurythmie als Kunst einmal so dastehen wird - vielleicht wird es nicht mehr durch uns, sondern durch andere in dieser Weise weitergebildet -, dass sich die Eurythmic als eine vollkommene Kunst neben ihre älteren vollberechtigten Schwesterkünste wird hinstellen können.
Cite:
GA 277b/1920-05-01/p019 · edition original