Ansprache zur Eurythmie
Heute liebt man eine Rezitationskunst, die eigentlich mit Künstlerischem nicht mehr viel zu tun hat, sondern manchmal mit menschlicher Sentimentalität, mit menschlichem guten Willen, das oder jenes recht innerlich auszudrücken — wobei es ja immer doch eine Phrase bleibt oder eine Sentimentalität bleibt. Dasjenige aber, was wirkliche Rezitation ist, man kann es ja noch aufsuchen in älteren Zeiten. Goethe hat mit dem Taktstock seine «Iphigenie» mit seinen Schauspielern einstudiert, nicht so schr auf den Inhalt eingehend, sondern auf die Art und Weise, wie der Jambus seinen Schritt ging. Dieses Wortwörtliche als Rezitation könnte man gar nicht als Begleitungskunst der Eurythmie gegenüberstellen, sondern da muss man auch auf das Eurythmische im Sprechen selber eingehen. Und so muss hier so rezitiert werden, wie die guten alten Künstlerzeiten rezitiert haben.
Cite:
GA 277b/1920-07-11/p012 · edition original