Ansprache zur Eurythmie
Es ist noch zu bemerken, dass wir in der Kunst der Rezitation, die das besondere Künstlerische in dem Dichterischen hervorzuheben hat, dies nicht dadurch zustande bringen, dass wir den Prosagehalt besonders betonen und ihn zur Kunst zu erheben versuchen, sondern dass alles angestrebt werden muss, um nach der anderen Seite hin auch in der Eurythmie, die ja gewiss heute noch in ihrem Anfange vorliegt, eine entsprechend künstlerische Rezitationsform anzuwenden, die heute noch nicht überall verstanden werden wird. Was als ein Anfang vorliegt auf künstlerischem Gebiete, es kann, namentlich wenn cs das Interesse unserer Zeitgenossen zulässt - vielleicht noch durch uns selbst, wahrscheinlich aber von anderen - vervollkommnet werden. Und dann wird sich schon aus dieser eurythmischen Kunst etwas herausentwickeln, was als eine vollberechtigte Schwesterkunst neben die älteren vollberechtigten Schwesterkünste die Eurythmie wird hinstellen können.
Cite:
GA 277b/1920-07-11/p019 · edition original