Ansprache zur Eurythmie
Damit ist eine Möglichkeit geschaffen, zugleich manches, was jetzt gerade von schaffenden Künstlern sehr lebendig empfunden wird wenigstens möchte man aus einer Ecke heraus darauf hinweisen, wie ja heute ein großer Teil der künstlerisch Schaffenden nach neuen Ausdrucksmitteln, neuen Ausdrucksformen lechzt, Impressionisten, Expressionisten oder wie diese sich sonst heißen, man nennt danach die verschiedenen Wege, die in ihrer Kunst eingeschlagen werden. Da sehen wir auf der einen Seite, wie der unmittelbare Eindruck festgehalten werden soll, die Impression wiedergegeben werden soll. Weil der Mensch heute ja eigentlich die Kraft verloren hat, unterzutauchen in das innere Wesen der Dinge, wie es die großen Künstler früherer Epochen gekonnt haben, das Vermögen also, ganz aus dem Inneren heraus zu schaffen, verloren haben, so wird gleichsam dasjenige, was übrigbleibt, in der Impression festgehalten. Oder auch, es wird dasjenige, was /Lücke im Text] durch falsche Worte und so weiter, festgehalten, was dann namentlich mehr philosophischen Naturen schwer verständlich erscheint, im Expressionismus. Aber es sind das alles Wege, welche eigentlich darauf hinauslaufen, in einer neuen Form die alte Kunstfrage zu beantworten: Wie gelangt man dazu, Eindrücke künstlerisch festzuhalten, ohne dass dabei Gedanken eine Rolle spielen? Abstrakte Gedanken sind es ja immer, welche die eigentliche Kunst töten. Die Kunst muss ohne die abstrakten Gedanken verlaufen. Nun, hier haben wir die Möglichkeit. In der gewöhnlichen Lautsprache haben wir nicht so dieselbe Möglichkeit, denn da ist heute schon ins Konventionelle hinein, in die Nützlichkeit hinein das Mitteilungsbedürfnis zu sehr herabgestiegen. Und der Künstler muss ja zum Beispiel versuchen, durch das unter der Sprache Liegende —auch ein eurythmisches Element übrigens -, dasjenige zu erreichen, was ihn befriedigen kann.
Cite:
GA 277b/1920-08-15/p010 · edition original