8. Ansprache zur Eurythmie
Und indem wir uns der äußeren Welt selber hingeben, ihren intensiven Eindrücken in Farben und Hell-Dunkel, bilden wir die Malerei aus. - Dann aber, wenn wir dasjenige, was eigentlich unter der Oberfläche der Dinge, mit der sich im Wesentlichen die Malerei beschäftigt, wenn wir mitleben dasjenige, was das Äußere der Natur an übersinnlichem Gleichmaß darbietet, wenn wir das erfühlen können, uns hingeben können der Natur, nicht als ein bloßer Beobachter, sondern mitgehen mit den inneren Geheimnissen der Natur, und statt dass wir — was wir schon als Kind tun - das Gleichgewicht unseres eigenen Leibes fühlen, die Symmetrie, wenn wir stattdessen fühlen das rätselvolle, geheimnisvolle Gleichmaß der Naturdinge draußen, die Proportionalität und Symmetrie der Raumdinge, und wenn wir das dann in uns selber gewissermaßen zu einem Echo ausbilden, der stummen Natur das Gegenbild in den in ihr enthaltenen Geheimnissen entgegenhalten, dann bilden wir das Musikalische dadurch aus, dass wir unsere eigenen Leibesglieder, die daraufhin organisiert sind, anpassen den äußeren Symmetrie- und Gleichmaßverhältnissen der Natur.
Cite:
GA 277c/1920-10-17/p011 · edition original