21. Ansprache zur Eurythmie

GA 277c/1921-01-30/p015 ·1921-01-30 · original (original)
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In dieser Weise würde man niemals Eurythmie begleiten können deklamatorisch oder rezitatorisch, sondern, weil in der Eurythmie dasjenige die Hauptsache ist, was innere Bewegung, was Formen sind, was in Wahrheit echt Künstlerisches ist, so muss auch bei den Gedichten das, was rezitiert wird in Begleitung der Eurythmie, so muss auch da dasjenige, was Form und Gestaltung der Sprache ist, zur Geltung kommen. Große Dichter wie Goethe haben immer auf diese Form und Gestaltung der Sprache den größten Wert gelegt. Man muss es immer wieder hervorheben, wie Goethe selbst die «Iphigenie» — also Jamben — mit dem Taktstock einstudiert hat, um auf den melodiösen Fluss der Rede, auf den Rhythmus und auf den Takt den Hauptwert zu legen, und nicht auf den Prosagehalt. Und bei Schiller war es ja so, dass er immer, bevor er irgendeine Dichtung ausgestaltete, eine Art melodiöses Element in seiner Seele hatte. Und dieses Musikalisch-Melodiöse, das beherrschte ihn; es war noch völlig wortlos zunächst, die Worte kamen dann erst dazu.

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