21. Ansprache zur Eurythmie
Meine sehr verehrten Anwesenden, trotzdem diese Absichten alle mit der Eurythmie verbunden sind, muss ich immer wieder vor jeder Vorstellung betonen, dass wir gar sehr um Nachsicht zu bitten haben, und zwar aus dem Grunde, weil ja das alles erst im Anfange ist. Wir sind ja selbst die strengsten Kritiker, und diejenigen, die öfters schon hier waren, namentlich vor Monaten, die werden schon bemerken, wie wir uns, namentlich in der Ausgestaltung der Formen, die den Dichtungen zugrunde liegen, dem Musikalischen auch, in der letzten Zeit viel Mühe gegeben haben und dass ganz gewiss Fortschritte zu verzeichnen sind. Allein, wir stehen eben im Anfange. Wenn wir aber auf der einen Seite in gewissem Sinne selbst unsere strengsten Kritiker sind, so wissen wir doch aus den Quellen, aus der Formensprache dieser Kunst heraus von ihren Entwicklungsmöglichkeiten. Und [wir] wissen, dass, wenn diese Eurythmie einstmals ganz ausgebildet sein wird - durch uns wird sie ja vielleicht auch noch weiter ausgebildet werden können, aber jedenfalls liegen in ihr Entwicklungsmöglichkeiten, die ja einer langen Ausbildungszeit bedürfen - und wenn sie dann, vielleicht einmal durch andere noch, ausgebildet sein wird, so wird sie jedenfalls nach ihren Entwicklungsanlagen einstmals eine vollberechtigte Kunst neben den älteren Schwesterkünsten darstellen.
Cite:
GA 277c/1921-01-30/p019 · edition original