23. Ansprache zur Eurythmie
Wir haben die Eurythmie ausgebildet auch in pädagogisch-didaktischer Beziehung. Wir haben sie als obligatorisches Fach neben dem Turnen eingeführt in der Freien Waldorfschule in Stuttgart. Da zeigt es sich, wie wohltätig dieses beseelte Turnen ist, denn das ist es auch, neben dem, dass es eine Kunst ist: Ein beseeltes Turnen, wo der Mensch nicht nur sich so bewegt, wie es der Leib erfordert, sondern so, wie es Leib, Seele und Geist erfordern. Das wirkt ungeheuer wohltätig auf die Kinder ein. Es erzieht sie zur Willensinitiative, zur Wahrhaftigkeit. Denn man kann wohl in das KonventionellPhrasenhafte verfallen, wenn man mit der Wortsprache spricht, aber nicht, wenn man den ganzen Menschen in eine sichtbare Sprache hineinlegt. Dann kann man nicht irgendetwas Konventionelles oder Phrasenhaftes oder Verlogenes zur Darstellung bringen. Weniger bei Erwachsenen, aber bei Kindern als Erziehungsmittel wirkt im hohen Grade die Eurythmie als Erziehung zur Wahrhaftigkeit. Das haben wir in der kurzen Zeit, in der wir sie verwenden konnten in der Waldorfschule, durchaus konstatieren können.
Cite:
GA 277c/1921-02-20/p014 · edition original