23. Ansprache zur Eurythmie
Wenn der Mensch nun selber sich als Werkzeug hingibt, um die Darstellung des Kunstwerkes zu bewirken, so wird allerdings wenigstens erstrebt ein Höheres in der Kunst. Trotzdem muss ich für unsere Darstellung um Nachsicht bitten. Wir sind selbst heute noch die strengsten Kritiker. Die Eurythmie steht am Anfang ihres Werdens. Trotzdem wir in den letzten Jahren namentlich in Bezug auf die Formgebung manches hinzugefügt haben zum Anfänglichen, wissen wir doch gut, dass das, was eurythmische Kunst ist, wie ein hohes Ideal vor uns schwebt. Aber sie soll vorgeführt werden, denn es ist das Geheimnis des künstlerischen Wirkens, dass es sich nur in rechter Weise ausbilden kann, wenn in weitesten Kreisen Verständnis erweckt wird für das ganze Werden. Man kann eine Kunst dadurch ausbilden, dass die Menschen Verständnis dafür entwickeln. Und so sehr wir auf der einen Seite voll überzeugt sind, dass wir auf Nachsicht Anspruch machen müssen, so müssen wir doch auf der anderen Seite auch hinschauen können darauf, wie doch einmal diese eurythmische Kunst - wenn auch nicht mehr durch uns selbst, sondern vielleicht erst durch andere - zu etwas wird ausgebildet werden können, was sich, wenn auch als die jüngste Kunst, doch als vollberechtigte Kunst neben die älteren Schwesterkünste wird hinstellen können.
Cite:
GA 277c/1921-02-20/p018 · edition original