28. Ansprache zur Eurythmie
Der Mensch kommt zu dem Ausdrucke seines Wesens auf der einen Seite durch den Gedanken. Es ist ja unleugbar, dass in der Tätigkeit des Denkens, in der Formung der Gedanken dasjenige liegt, wodurch der Mensch sich zunächst als das vollkommenste Geschöpf innerhalb der sichtbaren Schöpfung, in der er sich befindet, darlebt. Wenn der Mensch bloß aber den Gedanken in sich bewegt, bewegt er sich prosaisch. Zum Künstlerischen, zum Dichterischen ist notwendig, dass übergeht das gedankliche Element in das Schaffen von Gestaltung. Und es ist merkwürdig, wie man sehen kann, dass durch die bedeutsamsten Formen des Dichterischen - durch das epische Element, durch das lyrische Element, durch das dramatische Element — im Grunde genommen der Gedanke sucht, sich selber zu verlieren als Gedanke, sein unkünstlerisches Element aufzugeben und in die Gestalt überzugehen.
Cite:
GA 277c/1921-04-03/p010 · edition original