28. Ansprache zur Eurythmie

GA 277c/1921-04-03/p011 ·1921-04-03 · original (original)
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Man nehme die Epik. Man sehe, wie, sagen wir gerade in einer der vorzüglichsten epischen Schöpfung, bei Homer, wie wir da sehen, wie das gedankliche, das vorstellungsmäßige Element sogar im Erzählen übergeht in das Gestalten: der schnellfüßige Achilles oder der Held mit dem wogenden Helmbusch. Es wird immer der Gedanke versuchen, sich selbst zu verlieren und metamorphosisch überzugehen in die Gestalt. Ein Drama haben wir auch eigentlich, wenn wir es verfolgen, nur dann wirklich vor uns, wenn wir uns nicht beschränken auf seinen wortwörtlichen Inhalt, sondern wenn wir in der Phantasie umschaffen dasjenige, was der wortwörtliche Inhalt nur, ich möchte sagen wie eine Partitur anzeigt. Wir sehen das gestaltete Leben. Und es könnte das vielleicht für die Lyrik ebenso wohl auffällig sein. Alle vom Menschen losgelöste Lyrik hat im Grunde genommen immer für das künstlerische Empfinden etwas Unbehagliches. Dasjenige, was uns aus der Lyrik heraus so recht zu Herzen geht, das ist, dass es in dem Künstlerischen geben kann auch Seele, aber doch eben hingestellt, gestaltet, nur einzeln individuell vor unser Geistesauge hingestellt. Je mehr uns im Liede sich erfasst, gestaltet, seelisch gestaltet das Fühlen, Empfinden, Erleben eines Menschen, desto echter, ursprünglicher, elementarer empfinden wir auch die Lyrik. Und so können wir sagen: Indem der Gedanke künstlerisch werden will - auch in dem rein geistigen Elemente der Dichtung -, strebt er aus seinem Gedankenelement heraus, erstrebt er den Übergang in die Gestalt.

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