28. Ansprache zur Eurythmie
So ist es auf der einen Seite der Gedanke, der zur Gestalt und zwar zuletzt zu der menschlichen Gestalt führt. Ein zweites Element, das wir im menschlichen Erleben wahrnehmen, das ist die Bewegung, die Bewegung, die auf den Willen zurückgeht. Man braucht nun nicht etwa ein Schopenhauerianer zu sein, aber man wird dennoch fühlen, wie der Übergang durch die menschliche Wesenheit selber gesucht wird von dem nach der Bewegung strebenden Willen zu seinem reinsten Abbilde, zu dem Musikalisch-Gesanglichen. Man kann schon im Musikalisch-Gesanglichen dasjenige fühlen, in das der Wille ebenso ausfließen will, wie in die Gestalt der Gedanke überfließen will. Und dann hat man das zweite Element, dasjenige, was als Bewegung der menschlichen Wesenheit angehört. Aber man wird, wenn man sich dem vollen Menschen gegenüberstellt, man wird empfinden die Zusammengehörigkeit, das Ineinander-Überfließen von Gestalt und Bewegung im Menschen. Wir können nicht anders, als, indem wir schon Einzelheiten des Menschen betrachten - sagen wir zum Beispiel die Hand oder den Arm mit der Hand -, wir betrachten die Gestalt, wir können nicht anders, als, indem wir die Gestalt anschauen, in der Gestalt, ich möchte sagen die zur Ruhe gekommene Bewegung sehen. Wir können nicht anders, als uns in der Handgestalt dasjenige vorzustellen, was ausdrücklich mit der Bewegung, mit der Beweglichkeit der Hand unmittelbar zusammenhängt.
Cite:
GA 277c/1921-04-03/p013 · edition original