33. Ansprache zur Eurythmie

GA 277c/1921-05-05/p007 ·1921-05-05 · original (original)
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Wenn man die Sprache beobachtet, wie sie sich entwickelt in die ganze gebildete Zivilisation hinein, so wird man finden, dass, indem mehr und mehr [in] der eigentlichen Sprache das Gedankenmäßige vorwiegt, dass da ursprüngliche Empfindungen des Lautes, des Tones da sind und dass diese ursprünglichen Empfindungen wie ertötet werden durch dasjenige, was über die Sprache ergossen wird durch das gedankliche Element. Das gedankliche Element gießt in die Sprache hinein das Grammatikalisch-Prosaische. Der Dichter sucht es wiederum zu überwinden, wenn er die Sprache künstlerisch gestaltet, und er sucht dann, der wirkliche dichterische Künstler sucht dann die Sprache wiederum anzunähern demjenigen, was sie ist als Ausdruck des ganzen Menschen, als Ausdruck von Sympathie und Antipathie, [als] Empfindungen werden, als Ausdruck von Freude, Schmerz und Leid, von dem Steigern der Empfindungen und so weiter. Dadurch arbeitet sich der Dichter wiederum heraus aus dem abstrakt Prosaisch-Dramatischen, und er arbeitet sich hinein in dasjenige, was das eigentlich Künstlerische der Sprache ist, was aber doch im Grunde ein Willensmäßiges ist. Der Dichter arbeitet sich hinein in den Wohlklang des Tones, des Lautes; er arbeitet sich hinein in dasjenige, was eine Art religiös-grammatisches /?] Zusammenfassen der Laute ist; er arbeitet sich hinein in der Sprache in Rhythmus, Takt und so weiter, Alliteration und so weiter. Das alles sind Gestaltungen, Offenbarungen der Sprache. Und erst eigentlich damit, dass dieses Element, also dieses ungrammatische, man möchte sagen, antigrammatische und antigedankliche Element hineinkommt in die Gestaltung der Sprache, wird die Sprache wiederum zurückgeführt zu ihrem eigentlichen künstlerischen Element.

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Cite: GA 277c/1921-05-05/p007 · edition original