Ansprache zur Eurythmie
Diese sichtbare Sprache ist in der Art gefunden, dass abgelauscht ist dem menschlichen Organismus dasjenige, was er äußerlich zunächst unsichtbar, aber doch innerlich nach den Kräften vollbringt, wenn er singt oder spricht. Was also die menschlichen Gesangs- oder Sprachorgane gewissermaßen an innerlichen Bewegungen des Gesamtorganismus erhalten und dann umsetzen in ihre Bewegungen, die wiederum übergehen in die Luftschwingungen, durch die dann der Ton oder der Laut, das Wort gehört werden: Das ist dasjenige, was durch sinnlich-übersinnliches Schauen erforscht wird und was dann übertragen wird auf den ganzen Menschen, auf Bewegungen des ganzen Menschen oder auch Bewegungen von Menschengruppen, und wodurch dann erreicht wird eine wirklich sichtbare Sprache. Es kommt also nicht darauf an, dass man etwa empfinden wollte: Wie geht diese oder jene Armbewegung ebenso wie bei der alltäglichen Geste oder bei der alltäglichen Mimik hervor aus diesem oder jenem Laute? Sondern es ist ein innerer organischer Zusammenhang zwischen dem, was als Bewegungen für das Auge sichtbar wird geradeso, wie ein innerer organischer Zusammenhang ist zwischen dem Laute, dem Selbst- oder Mitlaute, der ausgesprochen wird oder auch den Wortwendungen, die geformt werden und dergleichen, und dem, was in der Seele lebt.
Cite:
GA 277c/1922-05-06/p007 · edition original