Ansprache zur Eurythmie

GA 277c/1922-05-07/p016 ·1922-05-07 · original (original)
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Wir merken, wenn wir parallel gehend zu eurythmischen Vorstellungen rezitieren oder deklamieren, dass man da nicht auf dieses prosaische Pointieren, das man heute so liebt, hinsehen darf, sondern dass man gerade in der Sprachgestaltung im dichterischen, im musikalischen Thema, im Rhythmus und Takt, der zugrunde liegt, wenn der Dichter dichterisch gestaltet, dass man darin gerade dasjenige sehen muss, was betont werden muss in der Deklamation und Rezitation, wenn man in der richtigen Weise zu Eurythmie hinzu deklamieren oder rezitieren will. Man wird dann aber auch bemerken, wie schon der dichterischen Sprachbehandlung ein geheimes Eurythmisches zugrunde liegt, wie der Dichter wirklich in seinem Organismus das Musikalische und das Imaginative mehr oder weniger unbewusst phantasievoll erlebt, wenn er wirklich Dichterisches gestaltet. Schiller, der der Meinung war, dass beim dichterischen Gestalten das Wenigste wirklich gestaltet wird, Schiller hatte ja immer eine unbestimmte Melodie, also etwas Musikalisches in seiner Seele, bevor er sogar den wortwörtlichen Inhalt eines Gedichtes auf diesem Melodiösen aufreihte. Es war ihm die Hauptsache die musikalische Sprachgestaltung, wie für Goethe die imaginative Gestaltung des Gedichtes, das er im Sinne hatte, die Hauptsache war. Das muss berücksichtigt werden, wenn man der notwendigen Form von Deklamation und Rezitation, wie sie die Eurythmie begleitet, gerecht werden will.

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