Ansprache zur Eurythmie
Eine dritte Seite ist diejenige, die man als die pädagogisch-didaktische bezeichnen muss. Und sie hat sich ja in der Waldorfschule in Stuttgart, wo in jeder Klasse vom Anfang der Volksschule bis in die höchsten Klassen, die wir heute haben, eurythmie als ein obligatorischer Gegenstand eingefügt ist, sie hat sich ja da durchaus bewährt. Ich muss sagen: In der Pädagogik ist Eurythmie eine Art beseeltes, geistiges Turnen, während im gewöhnlichen Turnen eigentlich nur aus der Physiologie des Menschen heraus gearbeitet wird, also aus dem Körperlichen. Es soll gar nichts gegen dieses gewöhnliche Turnen eingewendet werden; aber es wird eben dabei auch nur auf das Körperliche Rücksicht genommen. Wenn dieses beseelte Turnen, das die Eurythmie für das Kind ist, dem Kinde beigebracht wird, so handelt es sich darum, dass das Kind seinen ganzen Menschen nach Leib, Seele und Geist - durchaus auch nach dem Leibe - hineinlegt in die Bewegungen. Dadurch wird ganz Besonderes in dem Kinde herangebildet, vor allem Willensinitiative zum Beispiel, die durch das gewöhnliche Turnen durchaus nicht gepflegt wird, die unserer Generation in der nächsten Zeit so sehr notwendig ist und sein wird.
Cite:
GA 277c/1922-05-07/p018 · edition original