Vortrag zur Eurythmie
Nehmen wir eine andere Kunst, die ja in unserer heutigen Zeit am allerwenigsten richtig angeschaut wird, nehmen wir die Deklamations- und Rezitationskunst. Wenn man in der Deklamations- und Rezitationskunst sich verhält, wie man glaubt, dass so recht natürlich gesprochen werden soll, so recht naturalistisch pointiert werden soll, dann ist das am wenigsten künstlerisch. Bei der Deklamations-und Rezitationskunst handelt es sich um etwas ganz anderes. Da handelt es sich darum, dass man zu studieren weiß: Welcher Charakter ist im Vokalisieren, welcher Charakter ist im Konsonantieren, welche besondere Stimmung liegt in dem Vokal e, in dem Vokal a? Was verändert in der bloßen «-Stimmung das m? Was verändert in der bloßen a-Stimmung das l? Und dass man dann versteht, solche Stimmungen, die schon im Vokalisieren und Konsonantieren liegen, solche Stimmungen über die ganze Zeile auszudcehnen, ja vielleicht über einen ganzen Monolog auszudehnen, sodass durchaus davon gesprochen werden kann, ein besonderer Monolog könnte in der e-Stimmung, in der a-Stimmung gesprochen werden, das heißt in derjenigen Stimmung, die insbesondere beim a oder beim e oder beim l oder beim m entwickelt werden kann.
Cite:
GA 277c/1922-08-04/p009 · edition original