Vortrag zur Eurythmie
Nun kommt beim Darstellen des Eurythmischen aber noch ein drittes Element in Betracht, und das ist das willenhafte Element, der Charakter. Sie werden, wenn Sie an irgendeinen Laut denken, und daran denken, er soll eurythmisiert dargestellt werden, so werden Sie sich sagen: Zunächst in der Bewegung stellt sich etwas dar wie die allgemeine Sprachgestaltung im Rezitieren. Die Art und Weise, wie man bildhaft oder musikalisch die Sprache gestaltet, das drückt sich aus in der Bewegung bei der Eurythmie. Das Gefühl, das ja der Rezitator auch hineinlegt in sein Rezitieren, das Gefühl, das kommt zum Ausdruck also ganz sichtbarlich, indem dasjenige, was der Eurythmist in seiner Phantasie selber fühlen muss - da drückt es etwas, da zieht es etwas -, dadurch benimmt er sich in der Bewegung ganz anders. Das wird ganz unwillkürlich, instinktiv anders in der Bewegung, indem er sich in dieser Weise oder in anderer Weise fühlt. Dadurch wird das Ganze wirklich beseelt und durchseelt. Und es ist gut, wenn der Eurythmist nicht nur die ganz äußerliche Bewegung bezwingt, sondern wenn er auch dieses Gefühl hat: Wenn er ein e macht, so hat er ganz bestimmte leise Empfindungen da oder dort, wenn er in seiner Phantasie sich diesem leisen Empfinden hingibt. Aber weil er die Bewegung macht, so wird er die Bewegung in einer ganz anderen Weise beseelt machen, als wenn er nur ganz mechanisch die Bewegung macht.
Cite:
GA 277c/1922-08-04/p026 · edition original