Vortrag zur Eurythmie
Aber auch der Rezitator gibt ja ein Willenselement in das Rezitieren hinein. Er spricht, sagen wir das eine leise; er steigert, er spricht manches ganz laut. Das ist das Willenselement, das hineingetragen wird. Und dieses Willenselement, das ich nennen möchte den Charakter im Künstlerischen, dieses Willenselement, Sie können es auch hineintragen in die eurythmische Darstellung. Nehmen Sie an, Sie haben für irgendeinen Laut den Arm meinetwillen so zu halten - und da haben Sie die Hand. Jetzt werden Sie ganz unwillkürlich und instinktiv künstlerisch etwas anderes machen, wenn Sie die Hand ganz schlapp halten, sodass Sie sie ihrer eigenen Schwere überlassen oder wenn Sie sie strecken. Und Sie werden in Bezug auf den Charakter in ganz ähnlicher Weise wie der Rezitator durch stärkere kräftigere Sprache oder weniger kräftige Sprache Charakter hineinbringen in das Rezitieren und Deklamieren, Sie werden zum Beispiel dem, was Sie mit dem Arm darstellen, einen ganz anderen Charakter geben, wenn Sie als eurythmischer Darsteller sich nicht nur Ihrer Phantasie hingeben, sondern diese Phantasie auch in sich zur Ausführung bringen. Sagen wir, Sie spannen die Stirne an bei irgendeinem Buchstaben oder irgendeiner Passage, die Sie darstellen. Oder Sie fühlen, Sie geben Kraft den Muskeln des Oberarmes bei irgendeiner Bewegung. Oder Sie fühlen, Sie stellen bewusst, indem Sie auf den Boden drücken, die Füße auf bei irgendeiner Bewegung. Das ist das dritte Element, der Charakter, der in das Eurythmische hineinkommen kann.
Cite:
GA 277c/1922-08-04/p027 · edition original