Ansprache zur Eurythmie
Gestatten Sie, dass ich noch ein paar Worte spreche über die Bedeutung des eurythmischen Unterrichts und der Erziehung, welche für das Kind gerade aus dem Eurythmie-Unterricht hervorgehen kann. Ich möchte das erläutern an den Figuren, die im Atelier in Dornach gemacht worden sind und die in einer gewissen künstlerischen Weise darstellen werden dasjenige, was eigentlich der Inhalt des Eurythmischen ist. Zunächst sind diese Figuren allerdings mehr bestimmt, eine Grundlage zu geben für die künstlerische Anschauung der Eurythmie. Ich werde aber auch in der Lage sein, in Bezug auf das Pädagogisch-Didaktische gerade aus diesen Figuren heraus einzelnes vor ihnen klarzumachen. Es handelt sich darum, dass ja die Eurythmie wirklich eine sichtbare Sprache ist, keine mimische Äußerung, keine pantomimische Äußerung und auch keine gewöhnliche Tanzkunst. Geradeso wie der Mensch partielle Organe in Regsamkeit, in Tätigkeit bringt, wenn er singt oder wenn er spricht, so kann man auch den ganzen Menschen in diejenigen Bewegungen bringen, die eigentlich der Kehlkopf und seine Nachbarorgane ausüben wollen. Aber sie kommen nicht dazu, sie unterdrücken sie gleich, und da werden die anderen Bewegungen, die dann so verlaufen, dass sich dasjenige, was eigentlich im Kehlkopf, sagen wir, diese Bewegung werden will, sodass sich die Kehlkopfflügel nach außen öffnen: a, das wird im Moment des Entstehens, im Status nascendi untergraben, wird in eine solche Bewegung verwandelt, in die der Gedankeninhalt der Sprache hineinversetzt werden kann, und in eine Bewegung, die dann in die Luft übergehen kann und gehört werden kann. Die zugrundeliegende Bewegung, die eigentlich innermenschliche Bewegung, sagen wir des a, Sie haben sic hier /die Figur wird gezeigt]. Das will der ganze Mensch machen, wenn er in a ausbricht. Und so kann man jede Äußerung des Gesanges und der Sprache in der Bewegung, die eigentlich der ganze Mensch ausführen will, aber im Status nascendi aufhält, sichtbar machen. So kann man zu jeder solchen Bewegungsform kommen. Geradeso wie es Formungen gibt des Kehlkopfes und der anderen Sprachorgane für a, i, I m, so gibt es die entsprechenden Bewegungen, Bewegungsformen. Diese Bewegungsformen, sie sind daher diejenige Offenbarung des Willens, für die sonst die Offenbarungen des Gedankens und des Willens, im Sprechen und Singen bestehen. Das Gedankliche, das rein abstrakte Gedankliche, das in der Sprache ist, wird hier herausgenommen und alles, was sich aussprechen will, in die Bewegung selbst hineinversetzt, sodass die Eurythmie im weitesten Sinne eine Bewegungskunst ist. Genau ebenso, wie Sie das a hören können, können Sie das a anschauen, wie Sie das i hören können, können Sie das i anschauen.
Cite:
GA 277c/1922-08-23/p005 · edition original