Ansprache zur Eurythmie

GA 277c/1922-08-23/p010 ·1922-08-23 · original (original)
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Ebenso ist cs mit der Farbgestaltung. Hier habe ich für jeden einzelnen Laut Schleier, Form, Farbenzusammenstellung und so weiter dargestellt. Man muss bei einem Gedicht gewissermaßen die Grundnote haben. Die Grundnote gibt dann die Schleierfarbe, überhaupt die ganze Zusammenstellung, die man durch das Gedicht festhalten muss, sonst müssten sich die Damen die Schleier fortwährend wechseln, fortwährend Schleier abwerfen, andere Schleier anziehen, und die Sache würde noch komplizierter werden, als sie schon ist, und die Leute würden sagen, sie verstehen sie noch weniger. Aber cs ist durchaus so: Hat man einmal die Lautstimmung, kann man sie auch durch ein ganzes Gedicht festhaltend und nur durch die Bewegung variierend den Übergang von einem Laut zum anderen, einer Silbe zur anderen, von einer Stimmung zur anderen und so weiter machen. Nun, ich habe, da ich heute pädagogisch-didaktische Zwecke habe, hier die Eurythmiefiguren so aufgestellt, dass Sie sie in der Reihenfolge sehen, wie das Kind die Laute lernt. Das Kind lernt von klein auf die Laute so, dass der erste Laut im Wesentlichen derjenige ist, der als a tönt. In dieser Reihenfolge fortgeschritten, ungefähr natürlich — es gibt alle möglichen Abweichungen bei Kindern -, aber in dieser Reihenfolge ungefähr: a, e, o, u, i werden die Vokale durchschnittlich angeeignet vom kleinen Kinde. Wenn man in dieser Weise wiederum diese sichtbare Sprache der Eurythmie von dem Kinde ausüben lässt, dann ist es wie cine Auferstehung desjenigen, was das Kind erlebt hat beim Lautelernen als ganz kleines Kind, wie eine Resurrektion, wie eine Auferstehung auf einer anderen Stufe. Das Kind erlebt noch einmal das, was es früher erlebt hat, in dieser eurythmischen Sprache. Und es ist das eine Befestigung desjenigen, was in dem Worte liegt, durch die Mittel des ganzen Menschen.

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Cite: GA 277c/1922-08-23/p010 · edition original