Ansprache zur Eurythmie
Das ist dasjenige, was ich zunächst unmittelbar über das Wesen der Eurythmie sagen möchte. Für heute möchte ich nur das noch hinzufügen, dass ja am Ende des ersten Teiles, nach der Pause, ein Stück meiner «Mysteriendramen» gesehen werden kann. Wir haben uns überzeugt, dass das Eurythmische dann ganz besonders bühnenmäßig zu verwenden ist, wenn nicht gewöhnliche, naturalistische Bühnendarstellung zu erfolgen hat, für die das gewöhnliche bühnenmäßige Darstellen auch hier in Betracht kommt. Sondern wenn zur Darstellung kommt dasjenige, was ins Sinnlich-Übersinnliche hinaufspielt von der menschlichen Seele aus, da werden Sie sehen, wie das Weben von Gedanken in einem Menschen, das wie träumend sich verliert, dargestellt wird durch Bewegungen, die gewissermaßen eine Art Band darstellen zwischen denjenigen Welten, denjenigen, die schwärmerisch-mystisch irgendwo hinaufführen wollen und einen entfremden wollen der Erde, und denjenigen, die einen hinunterziehen wollen zum Gedanklichen, zum Philiströsen, zum mehr Materialistischen, zum Intellektualistischen. Das darzustellen ist nur möglich in einer solchen Stilisierung, wie sie nicht der gewöhnlichen Mimik möglich ist, aber wie sie möglich ist demjenigen, was eben als Eurythmie auftreten kann. Das ist die eigentlich künstlerische Seite der Eurythmie.
Cite:
GA 277c/1922-09-24/p014 · edition original