Ansprache zur Eurythmie
Dieses Wesen der Eurythmie gestattet nun, dass man ganz besonders Lyrisches und Episches, die ja eigentlich in der Seele des Künstlers leben, vor das Auge durch die charakterisierte Bewegungskunst hinstellt. Für das Dramatische, meine sehr verehrten Anwesenden, zeigt sich aber, dass da, wo das Drama übergeht von der Darstellung des rein äußerlich naturalistischen Geschehens - im weitesten Umfange natürlich - zu dem Erleben von etwas Übersinnlichem durch die Menschenseele, dass da jene höhere Sulisierung, die durch die Eurythmie möglich ist, gerade besonders am Platze ist. Wir haben schon bei der letzten Vorstellung hier einen Versuch gemacht, wo durch ein Fragment durch Goethes «Faust» - aus dem zweiten Teil von Goethes «Faust», der Sorge-Szene - anschaulich gemacht wurde, wie auf der einen Seite in der Faustfigur, die naturalistisch mit den beiden Füßen, möchte ich sagen, auf dem Erdboden steht, wie da etwas Naturalistisches da ist, was in gewöhnlicher mimischer Kunst dargestellt werden kann, wie aber die Gestalten, die nur geistig gedacht werden können - Sorge, Not, Mangel, Schuld -, wie diese deklamiert werden von außerhalb der Bühne und dasjenige, was sie auf der Bühne darzustellen haben, durch die sichtbare Sprache der Eurythmie dargestellt wird.
Cite:
GA 277c/1922-11-05/p018 · edition original