Ansprache zur Eurythmie
Ein drittes Element unserer Eurythmie ist das pädagogisch-didaktische. In der von Emil Molt in Stuttgart begründeten, von mir geleiteten Waldorfschule in Stuttgart, in der wir eine auf geisteswissenschaftlicher Grundlage aufgebaute Pädagogik haben. In dieser Waldorfschule ist von den untersten Klassen bis in die höchsten hinauf für alle Kinder neben dem Turnen dieses geistig-scelische Turnen, diese Eurythmie eingeführt. Und die Jahre, in denen die Waldorfschule besteht, haben schon zur Genüge gezeigt, wie geradeso, wie das kleinere Kind aus einem inneren Wohlgefühl heraus aus der selbstverständlichen Offenbarung der Menschennatur sich in die Lautsprache und den Gesang hineinfindet, so findet sich das größere Kind hinein in diese Bewegungssprache, in diese sichtbare Sprache. Sogar findet man im Sprachunterrichte, dass diese sichtbare Sprache wiederum auf die Handhabe, auf die Sulisierung der Lautsprache zurückwirkt. Aber ganz besonderer Wert muss daraufgelegt werden, dass wir es hier nicht mit dem einseitigen Turnen, das nur auf Körperliches Wert legt, zu tun haben, sondern mit geistigseelischem Turnen. Der Körper wird nicht vernachlässigt, sondern der ganze Mensch wird — worauf wir insbesondere Wert legen - zur Willensinitiative erzogen. In der Erziehung zur Willensinitiative wird ganz gewiss, wenn man den pädagogischen, didaktischen Wert der Eurythmie voll einsehen wird, diese Eurythmie Bedeutendes leisten können.
Cite:
GA 277c/1922-11-05/p026 · edition original