Ansprache zur Eurythmie

GA 277d/1923-04-08/p014 ·1923-04-08 · original (original)
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Und man hat daher in der Eurythmie - sowohl in Begleitung des Rezitatorischen und Deklamatorischen wie auch des Musikalischen — die im Raume denkbar stärkst mögliche menschliche Ausdrucksweise vor sich. Man hat etwas vor sich, wo das Seelisch-Geistige, das im Menschen wohnt, durch den ganzen menschlichen Organismus vor das Auge des Zuschauers tritt. Das macht natürlich notwendig, dass nun, wenn rezitiert oder deklamiert wird in Begleitung der Eurythmie, zu den wirklich künstlerischen Formen von Zeitaltern zurückgekehrt wird, die noch nicht wie das heutige unkünstlerische, im prosaischen Pointieren oftmals die eigentliche Deklamations- und Rezitationskunst suchten, sondern die wussten, worauf es beim Rezitieren und Deklamieren ankommt, auf die Sprachgestaltung, auf das Imaginative in der Lautmalerei, auf das Taktmäßige, Rhythmische, auf das Harmonische. Die Sprache ist nur insofern künstlerisch zu gestalten, als man ihr ein imaginatives Element oder ein musikalisches Element einzuverleiben vermag. Goethe stand mit dem Taktstock vor seinen Schauspielern, wenn er ihnen seine Jambendramen selber einstudierte. Er wollte zum Ausdrucke damit bringen, dass es ihm vielmehr auf die Sprachgestaltung ankam als auf das bloße Mitteilen des Inhaltes. Daher hat sich auch Frau Doktor Steiner jahrelang bemüht, gerade diejenige Rezitationskunst, die nun wiederum auf das Künstlerische der Sprachgestaltung eingeht, zur Ausbildung zu bringen. Nur in dieser Form ist das Deklamatorische und Rezitatorische mit dem Eurythmischen zu, ich möchte sagen orchestraler Einheit zu verbinden.

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