Ansprache zur Eurythmie
Eurythmie steht mitten darinnen - aber ganz im Menschen - zwischen dem Tanzartigen und Mimischen. Natürlich, dadurch kommt manchmal Eurythmie dazu, in das Tanzartige hinüberzuströmen, ebenso in das Mimische, Ausdrucksvolle hinüberzuspielen. Allein das kann nur dann eintreten, wenn zum Beispiel in irgendeinem Gedichte etwas besonders Emotionelles zum Ausdrucke kommt. Wenn irgendjemand, sagen wir mit Hass überschüttet werden soll und dergleichen, da kann man dann das Eurythmische, das ganz im Menschen beschlossen ist, überführen in das Tanzartige. Oder wenn irgendwie man etwas mit Hohn übergießen will, wenn man sich über etwas hinausversetzen will, wenn man etwa in der Sprache grinsen würde, dann würde das Eurythmische in das bloße Mimische verfallen, aber in das unrichtige Mimische. Wo das Eurythmische nach der einen oder anderen Seite Veranlassung hat, überströmen zu können in das Tanzartige oder in das Mimische, da wirkt das Tanzartige [brutal], und das Mimische wirkt [unkeusch] - nicht für sich, das braucht es nicht, wenn sie sich als Künste für sich entfalten. Nur geradeso, wie man die Kunst der Musik zerstört, wenn man Musikmalerei in der Musik entfalten wollte, so kann man auch nicht das Mimische und Tänzerische in der Eurythmie verwenden, ohne dass man auf der einen Seite unkeusch, auf der anderen Seite brutal wird.
Cite:
GA 277d/1923-04-08/p018 · edition original