Ansprache zur Eurythmie
Man kann nun auch zurückgehen und kann sich fragen: Welche innere Bewegung wird gefordert, wenn wir dieses oder jenes singen oder dieses oder jenes aussprechen? Und da kommt man dann darauf, dass sich diejenigen Bewegungen, die eigentlich durch den Kehlkopf und seine Nachbarorgane in Luftbewegungen umgesetzt werden, also gewissermaßen sich nach außen entladen, dass die auch umgekehrt als Bewegungen nach dem inneren Menschen verfolgt werden können; nur werden sie im gewöhnlichen Leben dann unterdrückt. Der Mensch ist eigentlich veranlasst innerlich, alles dasjenige, was ihm gesagt wird, mit einer Bewegung zu begleiten. Oder [er] unterdrückt diese Bewegung, und gerade das Unterdrücken, das offenbart sich dann innerlich in der Mitempfindung, die wir haben mit der Welt und dem Menschen, wenn wir irgendetwas hören. Ebenso wollen wir aber eigentlich auch immer dasjenige, was wir selber sprachlich äußern, durch Bewegungen, durch die Gebärde begleiten. Wir unterdrücken diese Gebärden, weil ja dasjenige, was ausgedrückt werden soll, durch die Sprache, durch die Lautsprache ausgedrückt wird.
Cite:
GA 277d/1923-06-09/p006 · edition original