{"corpus":"steiner","locus":"GA 277d/1923-06-09/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Die sichtbare Sprache und der sichtbare Gesang, die dadurch zustande kommen, sie kann man gut verstehen, wenn man verfolgt, wie ja hier auf der einen Seite das Deklamatorische, das Rezitatorische, das zu gleicher Zeit mit der Eurythmie ertönt, eben durch diese Eurythmie begleitet werden, wie aber auch das musikalische Motiv durch eurythmische Bewegungen begleitet wird. Das ist man geneigt, von vornherein dann als Tanz anzusehen. Allein, Eurythmie ist kein Tanz, es ist ein Singen in der Bewegung, ein wirkliches Singen, nur dass das Singen nicht durch den Ton zustande kommt, sondern durch die Bewegung. Sodass erst derjenige unsere Eurythmie richtig versteht, der das Eurythmisieren zu dem Musikalischen nicht als Tanz, sondern als einen bewegten Gesang aufzufassen vermag. Und in ähnlicher Weise begleitet auch dasjenige, was sich durch die Sprache, durch den Laut äußert, die eurythmische Bewegung. Dadurch erlangt man das Folgende: Indem der Mensch sich durch die Sprache, durch die Tonsprache äußert - und man kann das ganz besonders in der Sprache der höheren Zivilisationen erkennen -, dadurch kommt das durch die Sprache zum Vorschein, dass, man möchte sagen das objektiv vom Menschen abgesonderte Geistige immer mehr und mehr in der Sprache lebt. Man empfindet es ja auch bei vorgerückteren Sprachen als etwas Unsympathisches, mit Recht eigentlich Unsympathisches, wenn das subjektive Element in Betonung, in Prosapointieren und dergleichen in die Sprache hineinspielt. Man empfindet es fast als etwas Unkeusches, wenn zu viel Subjektives in der Sprache sich ausdrückt. Die Sprache soll das Seelische vergeistigen, daher es mehr oder weniger vom Menschen loslösen. Dafür aber können wir zurücknehmen in menschliche Bewegung dasjenige, was in der stilisierten Sprache zum Beispiel zum Ausdrucke kommt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Ansprache zur Eurythmie","site_heading":null,"date":"1923-06-09","location":null,"word_count":271,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/277d/1923-06-09/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/277d/1923-06-09/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/277d/1923-06-09/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}