Ansprache zur Eurythmie
Der Stil stellt gleichsam die Erhebung in ein Übersinnliches dar; die Tonsprache bringt das Übersinnliche menschlich näher. Eurythmisieren wir zugleich, so wird dasjenige, was rezitiert oder deklamiert wird, vor dem Auge wiederum zum Stil erhoben, der Stil wiederum zurückgenommen. Daher hat man gerade das Gefühl, dass beim Eurythmisieren soviel als möglich in das Stilisieren übergegangen werden muss, wie man die Rezitation und Deklamation zu den guten alten Zeiten zurückzubringen bestrebt ist, wo Goethe mit dem Taktstock in der Hand wie ein Kapellmeister selbst seine Jambendramen einstudierte mit seinen Schauspielern, dadurch anzeigend, dass er mehr auf die Sprachbehandlung gab als auf das prosaische Pointieren. So muss wiederum auf die Geheimnisse der imaginativen und musikalischen Sprachgestaltung bei der Erhebung des Rezitierens und Deklamierens zur Kunst zurückgegangen werden. Es wird dadurch geradezu auch an der Eurythmie wiederum ein wirklich künstlerisches Rezitieren und Deklamieren wieder herangebildet werden können.
Cite:
GA 277d/1923-06-09/p013 · edition original