Ansprache zur Eurythmie

GA 277d/1923-07-08/p007 ·1923-07-08 · original (original)
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Denn künstlerisch kann nur dasjenige sein, was in unmittelbarer Anschauung im Bilde dasjenige gibt, was der Mensch erlebt. Daher sehen wir, dass der Gesang umso künstlerischer wird, je mehr es ihm gelingt, das Wort ganz zu überwinden und sozusagen zurückzugehen bis zu der musikalischen Tongestaltung. Bei der Sprache muss der Dichter ringen darum, zurückzunehmen dasjenige, was für das Rationelle der Sprache da ist, wodurch die Sprache mitteilen will von Mensch zu Mensch. Er muss überwinden dasjenige, wodurch die Sprache Ausdruck ist der abstrakten Gedanken, des eigentlichen Sinnes. Und er muss sich, wenn er ein wirklicher, künstlerischer Dichter sein will, herbeilassen, dasjenige, was er offenbaren will, in der Gestaltung der Sprache zu suchen, entweder in der bildhaften Gestaltung — wie ein Laut den anderen beleuchtet, wie ein Laut sich selber erhellt oder verdunkelt und dergleichen -, oder er muss suchen in dem musikalischen Gestalten der Lautfolge, in dem Rhythmischen, Taktmäßigen, in dem Melodiös-Thematischen die Offenbarung dessen, was von der Seele erlebt wird.

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